Sulzbach-Rosenberger Zeitung

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Freizeit-Helden vor der Linse
"Pilz-Production" dreht Fantasy-Film im Stiberturm - Amazone Rondriane drei Tage in der Rüstung
Sulzbach-Rosenberg. (ana) Einmal zur falschen Zeit am falschen Ort und einmal zu oft "Ja" gesagt, und schon ist man dabei - bei der Pilz-Production. Natürlich nur, wenn man authentisch genug wirkt, schließlich soll ja alles so echt wie möglich sein. Das wird es auch, wenn sich die Schauspieler in 60 Kilogramm schwere Rüstungen zwängen, mit Zweihändern, Beuteln und Mänteln behängen und durch die Wälder streifen: Ein Fantasy-Film entsteht - auch in Sulzbach-Rosenberg.

Aus ganz Bayern - u.a. Kelheim, Forchheim, Erlangen und Sulzbach-Rosenberg - kommen die Fantasy-Freunde zu diesem Projekt zusammen. Es ist Rafael Friebes zweiter Mittelalter-Fantasy-Film, nachdem er bei der UFA schon Regie- und Filmerfahrung gesammelt hat.

Tolle Rolle

Bei "Life action role play"-Treffen sucht er sich seine Schauspieler, die meistens schon so gewählt werden, dass sie die auszufüllende Rolle bereits voll und ganz ausleben. So erzählt Mira Singer aus Sulzbach-Rosenberg, die im aktuellen Projekt "Schatten über Windenfels" die Amazone "Rondriane" spielt, dass sie bei solchen Rollenspielen bis zu drei Tagen in ihrer Rüstung steckt.

Um das Drehbuch kümmert sich Dominik Fischer alias "Tjorgi", der als gelernter Buchhändler mit Spezialgebiet "Fantasy" wie geschaffen dafür ist. Christine Ullrich ist als Aufnahmeleiterin die "Elfe für alles" und organisiert von Zeitplänen, über Requisiten bis zur Verpflegung von 25 "Sterberollen" alles bis ins letzte Detail.

Auch die anderen Laiendarsteller stehen trotz ihres Hobbys mit beiden Beinen fest im Leben. Als Student oder in verschiedensten Berufen opfern sie meist ihre Wochenenden und ihr Gehalt, um den Film voranzutreiben.

Denn die Pilz-Production finanziert ihre Projekte zum Großteil aus privater Hand und ist auf die Unterstützung der Städte und Gemeinden angewiesen, die alte Gemäuer oder Kerker kostenlos zur Verfügung stellen.

Immer Spaß dabei

Trotz des knappen Budgets kommt der Spaß am Drehort nie zu kurz. So beschwert sich der Doppelrollen-Darsteller Alex Straub über sein Kostüm - "Immer darf die Elfe was auf der Stirn haben und ich nicht! Die sagen, ich seh dann aus wie ein Ninja-Turtle".

Steckdosen tarnen

Kleine "Unfälle" und Störungen durch Fußgänger oder grellbunte Kinderschaukeln sorgen für allgemeine Belustigung. Überhaupt hat die heutige Zeit viele kleine und versteckte Hindernisse zu bieten.

Vor jedem Dreh müssen Steckdosen, Kabel oder Heizkörper abmontiert oder getarnt werden, um ein glaubwürdiges Mittelalter-Feeling zu schaffen, und darum kann die Vorbereitung einer Szene schon mal etwas länger dauern.

Spontanität wird bei den Freizeit-Rittern, Gnomen und Magiern auch groß geschrieben, denn den perfekten Drehort gibt es nicht. Einmal spielt das Wetter nicht mit, ein andermal gleicht eine Höhle mehr einer Räucherkammer als der benötigten düsteren Kulisse, und dann wird kurzerhand umdisponiert und umgeschrieben.

Spontane Einfälle

Zudem leben die Rollen von spontanen Einfälle und Änderungen. Wenn es beim Take 1 noch "Habt ihr Interesse?" heißt, lautet der Text bei Take 2 "Wie sieht's aus, seid ihr interessiert?". Nach einem bis zu 14 Stunden dauernden Drehtag schleichen sich derartige Änderungen leicht ein, und kleine Fehler machen durchaus Spaß.

Erfolgreiche Suche

Die Kulissensuche für "Schatten über Windenfels" war erfolgreich. Im ganzen Landkreis ist das Filmteam herumgekommen und hat sich sowohl mit Schulklassen auf Burg Hohenstein bei Kirchensittenbach als auch mit toten Spinnen im Stiberturm und störrischen Pferden arrangiert, um im vorgesehenen Zeitplan zu bleiben.

Interessenten, Helfer und Sponsoren sucht die "Pilz-Production" immer, und die können sich unter http:// pilz-production.de.vu über vergangene und aktuelle Projekte in Sachen Film informieren.

28.08.2006 Netzcode: 10915399

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NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN

NN/FORCH/LOKAL/LOKAL1 - Mo 26.02.2007 – FORCHHEIM

Elfen mit Fackeln

Dreharbeiten für Fantasy-Film im Stadtpark

VON CLAUDIA FREILINGER

Fantastischer Besuch in Forchheim: Elfen, Magier und Halbgnome versammelten sich am Samstag mit Fackeln und Kerzen im Stadtpark zu einer Trauerzeremonie. Regisseur Rafael Friebe drehte die letzte Szene für seinen Fantasyfilm „Mandatum Simplex“.

FORCHHEIM — Das Schwert ihres Geliebten steckt in einem Stein. Sereina steht davor und trauert. Die Halbelfen-Hexe im weißen Glitzer-Gewand hält eine Kerze in der Hand. Einige Schritte hinter ihr stehen Graf Vallendor, Halbgnom Tjorgi, die Amazone Rondriane und eine Hofdame mit Fackeln in den Händen.

Rafael Friebe umrundet mit seiner Kamera das Geschehen. Der 26-Jährige dreht im Forchheimer Stadtpark die Schlussszene für „Mandatum Simplex“ („Einfacher Auftrag“). Der Mittelalter-Fantasyfilm ist das zweite privat-finanzierte Projekt des Nachwuchsregisseurs. Bei der Ufa-Filmproduktion in München hat der gebürtige Kelheimer, der jetzt in Sulzbach-Rosenberg lebt, Regieassistenz und Aufnahmeleitung gelernt. Seit Juni 2006 laufen die Dreharbeiten für den neuen Streifen, der an verschiedenen Orten in Franken und der Oberpfalz aufgenommen wird.

Die Burg Sulzbach verwandelte sich vor der Kamera zum Sitz des Grafen von Windenfels. Der Zwillingsbruder des Burgherren, Magier Elandor, vergibt den „einfachen Auftrag“. Er heuert vier Helden an. Sie sollen ein Päckchen zum Hof des Grafen bringen. Unterwegs entspinnt sich ein mittelalterlicher Kriminalfall. Die Tochter des Herren von Windenfels verschwindet und die Abenteurer begeben sich auf die Suche...

In Forchheim dreht das Team die Trauerzeremonie zum Tod eines der Helden. Zwischen den grauen Steinmauern im Stadtpark herrscht im flackernden Licht der Fackeln genau die düstere Atmosphäre, die sich der Regisseur wünscht. Den Tipp für den Drehort hat er von einem Statisten bekommen.

Für die Darsteller, die aus ganz Bayern stammen, ist Forchheim ein angenehmer Platz, um ihre Talente zu zeigen. Da haben sie noch ganz andere Erinnerungen: In Cadolzburg lieferte sich das Filmteam aus 50 Darstellern und Statisten eine große Schlacht in Ritterrüstung. „So ein Ding wiegt 60 Kilogramm“, klagt Mira Singer, die in „Mandatum Simplex“ die Amazone spielt. Manchmal steckt Singer drei Tage lang im Kostüm. Das Team dreht immer am Wochenende. Viele der Laiendarsteller sind im echten Leben Studenten oder berufstätig. Teile ihres Gehalts stiften sie, um den Film voranzutreiben.

Treffen im Kostüm

„Wir haben halt keinen Hauptsponsor“, sagt Regisseur Friebe, „deswegen leisten wir alle unseren Beitrag.“ Die Kostüme, auch die schwere Rüstung der Amazone,— sind selbst gemacht. Friebe hat fast alle Darsteller auf so genannten „Conventions“ angesprochen, wo sich Fantasy-Fans und Mittelalter-Freunde regelmäßig treffen und ihre Kostüme zeigen.

Insgesamt rund 10000 kostet der Film. „Aber das ist echt noch günstig“, sagt Friebe, der nach Abschluss der Dreharbeiten jetzt zu Hause das Material sichten und schneiden wird. Keiner der Schauspieler fordert Gage. Alle sind aus Spaß an der Sache dabei, auch wenn viele froh sind, dass die Szenen im Kasten sind.

Dass der Abschluss in Forchheim gedreht wird, stand schon immer fest. Die Stadt hat bereits vor Wochen eine Genehmigung erteilt. Doch eigentlich hat sich Drehbuchautor Dominik Fischer, der als Halbgnom vor der Kamera steht, die Szene anders gewünscht.

„Wir haben die ganze Zeit gewartet, dass endlich Schnee fällt“, sagt Rafael Friebe. Als keine Flocken kamen, stellte das Team die Szene spontan um. Doch — als hätte ein böser Magier die Finger im Spiel — begann es am Drehtag zu regnen. Bei aller Trauer um ihren Geliebten, musste Halbelfen-Hexe Sereina deshalb ständig darauf achten, dass die Flamme ihrer Kerze nicht erlosch.